Island - September 2017

Island - September 2017

"Warum hast du noch nichts über eure Islandtour geschrieben?"

habe ich immer wieder zu hören bekommen. Ein Jahr später starte ich einen erneuten Versuch, allerdings mit derselben Blockade, die mich so lange davon abgehalten hat, diesen Bericht zu schreiben.

Sobald ich die Fotos betrachte, beschleicht mich das Gefühl, dass kein Foto die isländische Landschaft in ihrer Schönheit vollständig abbilden kann. Der Wind, die Farben, die Weite des Horizontes und die Einsamkeit der Wildnis sind höchst komplexe sinnliche Erlebnisse.

Immer wirkt das Foto wie ein billiger Abklatsch dieser intensiven Stimmungen, die sich ganz tief in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Schon die Auswahl der Fotos bereitet mir große Mühe. Zu viele zauberhafte Momente sind dokumentiert, zu dicht war die Folge der faszinierenden Eindrücke und zu früh die Abreise nach zwei Wochen Offroad-Fahren durch das Land der Elfen und Feen. Zum Lesen des Island-Krimis bin ich auch nicht gekommen. Unberührt bleibt er in der blauen KORA für die letzten Mieter der Saison liegen.
Hrunamannahreppur

Skaftarheppur

Hunavatnshreppur

Als wir uns im Herbst 16 entschieden, eine KORA bei unseren Isländischen Freunden in der Mietflotte mitlaufen zu lassen, hatten wir noch keine genaue Vorstellung von dem Vulkan-Land. Kalt, rau und viel Wasser… ein Video von anderen Allradlern machte neugierig. Nachdem wir uns in die letzte Vermiet-Lücke im September eingebucht hatten, um selbst einen Eindruck von Island zu bekommen, starteten wir am letzten Augustwochenende an einem der seltenen warmen Sommertage in diesem Jahr. Die Vorfreude war mäßig, da wir uns auf Kälte und Nässe einstellten.

Kaum hatten wir die stark befahrene Ringstraße verlassen, überwältigte uns die Natur. Unser Guide war das Trackbook Island von Matthias & Melina. Langsam tasteten wir uns an die unterschiedlich schweren Pisten heran.
Zusätzlich zu der ausführlichen Routenbeschreibung im Trackbook mit Empfehlungen zu Bodenfreiheit, Ufer- oder Flussdurchfahrten gab es eine überraschend gute Beschilderung an den Einfahrten zu den Pisten, wo Allrad nötig war.

Der ungelesene Islandkrimi – Übernachtungsplatz auf der Hochebene

Kalbende Gletscher

historischer Häuserbau mit Grasisolierung

Selbst bei der Auffahrt zur großen Hochebene wurde man darauf hingewiesen, dass es die nächsten 230 km keine Tankstelle geben würde. Aber auch die unbeschränkten Schotter-Wege hatten bisweilen ihre Tücken. Normale Straße hieß hier: Flussdurchfahrten sind immer dabei und Allrad hilft auch nicht in jeder Lage. Man sollte auf der Spur bleiben (sofern man sie sieht), auch wenn es tief aussieht. Sonst ergeht es einem leicht wie dem Japaner, der mit seiner Freundin tief in den Flusskieseln stecken geblieben war, weil das Flussbett dort flacher aussah:
Wasserdurchtränktes Auto, stundenlanges Warten auf Hilfe und Frieren im eisigen Wind. Von solchen Krisen sind wir glücklicherweise verschont geblieben, auch wenn wir uns am Ende auch ohne Durchwaten an tiefe und breite Flüsse wagten. Viel schwieriger erwies sich das Fahren durch frische Lavafelder, die so pickelig wie eine unberührte Mondlandschaft daherkommen: tiefe Furchen und Löcher, scharfe Kanten und spitze Lavaklötze. Zum Ende zog es uns wieder in das geologisch junge Hekla-Gebirge, wo wir auch unsere Touren gestartet hatten.

Islandpferde-Abtrieb

In der Nähe der Blauen Lagune

Flüsse durchqueren wird irgendwann zum kitzeligen Vergnügen

Hekla-Gebirge – hier zieht es uns immer wieder hin

Das neue LAVA Volcano & Earthquake Centre in Hvolsvöllur, ein Museum der neuesten Generation mit vielen interaktiven Möglichkeiten, erwies sich als absolut sehenswert.

Nach zwei Wochen waren wir so gesättigt und gleichzeitig so hungrig auf noch mehr Naturschönheit, dass wir schweren Herzens und mit viel Ehrfrucht vor diesem faszinierenden Land die KORA zurückgaben.